Eine Koalition von 23 internationalen Investoren darunter die Ethos Stiftung und mehrere Schweizer Pensionskassen fordert von Shell und BP Erläuterungen, wie sie trotz künftig sinkender Öl- und Gasnachfrage Wert schaffen wollen. Die Investorenkoalition wird von Follow This koordiniert und vereint verwaltete Vermögen von über 1500 Milliarden Euro.
Eine Koalition von 23 internationalen Investoren hat für die Generalversammlungen 2026 von Shell und BP Aktionärsanträge eingereicht. Ethos und mehrere Schweizer Pensionskassen sind Teil dieser Investorenkoalition. Sie wird von der niederländischen NGO Follow This koordiniert und vereint verwaltete Vermögen von 1500 Milliarden Euro.
Die Aktionärsanträge fordern die beiden Energiekonzerne auf, ihre Strategie zur Wertschöpfung hinsichtlich eines erwarteten Rückgangs der Gas- und Ölnachfrage zu erläutern. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht in ihrem Szenario von einem Höhepunkt der Ölnachfrage im Jahr 2030 und spätestens 2035 für Gas aus. Dabei sind auch die angekündigten politischen Massnahmen der Regierungen berücksichtigt (STEPS).
«Jede Aktionärin und jeder Aktionär hat das Recht zu erfahren, wie der Verwaltungsrat unter den von der IEA prognostizierten Szenarien eines Nachfragerückgangs weiterhin Wert schaffen will», erklärt Mark van Baal, Gründer von Follow This. «Aufgrund einer verbesserten Transparenz können die Anlegerinnen und Anleger die potenzielle Performance ihres Portfolios besser einschätzen.» Denn nach einem Rückgang der Ölnachfrage hätten schliesslich 2020 BP die Dividende um die Hälfte und Shell um zwei Drittel gekürzt.
Klimastrategie als zentrales Governance-Thema
Die Aktionärsanträge betreffen die Governance und das Risikomanagement der Unternehmen und verfolgen zwei Ziele. Sie erhöhen den Druck der Eigentümerinnen und Eigentümer auf die Unternehmensführung und beleben die Debatte über die mittel- und langfristige Wirtschaftlichkeit fossiler Energien. Wenn der Druck des Aktionariats zunimmt und die Wirtschaftlichkeit von Öl und Gas abnimmt, werden Shell und BP schliesslich nur eine Alternative haben. Sie müssen einen abrupten Übergang zu einem anderen Geschäftsmodell managen und gleichzeitig massive Wertverluste ihrer Investitionen in die Förderung fossiler Energien hinnehmen.
«Wir sind nach wie vor überzeugt, dass im Bereich fossiler Energien tätige Unternehmen eine Rolle im mehr denn je notwendigen Übergang zu einer nachhaltigeren Welt und Wirtschaft spielen müssen», betont Ethos-Direktor Vincent Kaufmann. «Sie verfügen nicht nur über das Kapital, sondern auch über die erforderliche Expertise, um dies zu tun. Wenn sie hingegen ihre Investitionen nicht rasch auf kohlenstoffarme Energien umlenken, werden die Aktionärinnen und Aktionäre dieser beiden Unternehmen erhebliche Wertverluste hinnehmen müssen.»
Pensionskassen und Arbeitnehmende unterzeichnen mit
Die Investorenkoalition umfasst Pensionskassen, Vermögensverwalter und Versicherungsunternehmen aus Grossbritannien, den Niederlanden, Belgien und Frankreich, aber auch Schweizer Pensionskassen, darunter Mitglieder der Ethos Stiftung (Pensionskasse Stadt Zürich und Bernische Pensionskasse) und die Pensionskasse des Bundes PUBLICA.
Medienmitteilung von Follow This mit der Liste der Mitunterzeichnenden (auf Englisch)
Erstmals gehören auch ehemalige und aktuelle Mitarbeitende von Shell und BP zu den Mitunterzeichnenden. «Als Mitarbeitende von Shell wollen wir, dass das Unternehmen eine Zukunft hat», erklärt ein ehemaliger Shell-Mitarbeiter gegenüber Follow This. «Der Verwaltungsrat muss Transparenz darüber schaffen, wie Shell angesichts der sinkenden Nachfrage nach fossilen Brennstoffen Wert schaffen will. Die Eigentümerschaft und Mitarbeitenden benötigen diese Informationen, um fundiert über ihr Bleiben oder Gehen entscheiden können.»
Die von Ethos angebotenen Anlagefonds enthalten keine Aktien von Shell und BP. Diese sind aufgrund der Aktivität beider Unternehmen im Bereich der unkonventionellen fossilen Energien ausgeschlossen. Die Ethos-Stiftung hat jedoch je eine Aktie erworben, um an den Generalversammlungen teilnehmen und diese Anträge miteinreichen zu können.
Aktionärsantrag bei Shell und "Supporting statement" (auf Englisch)
Aktionärsantrag bei BP und "Supporting statement" (auf Englisch)